SILBERNES GOLD

2013 reiste ich nach Südafrika. Mosselbay hieß der Ort, an dem ich die letzten Wochen strandete.

 

Im Hafen wurden Whale-Watching Touren für Touristen angeboten.

Um durch eine Glasscheibe zu schauen, wollte ich jedoch kein Geld bezahlen.

 

Kurzentschlossen heuerte ich auf einem Fischerboot an.

 

Die ausschließlich männliche Crew reagierte sehr unterschiedlich.

Einige waren schüchtern, andere neugierig.

Einigen war ich vollkommen gleichgültig.

Der Kapitän lud mich in seine Kajüte ein. Ob ich seekrank werden würde? Nein! Natürlich nicht.

10 Minuten später hätte ich mich fast übergeben. Ich schluckte die Pille, die alles bessern würde.

Leider half sie nicht nur gegen Seekrankheit, sondern führte auch dazu, dass ich gute 4 Stunden lang schlief.

Als mich der Kapitän weckte, fühlte ich mich wie eine Anfängerin. Die Matrosen grinsten, als sie mich sahen.

Sie waren in den 4 Stunden alle um 10 cm gewachsen. Im Ego. Schmierten mir Stullen, boten mir zu Rauchen an.

Im Warten waren sie Meister. Die Spannung an Board erinnerte mich an eine geladene Mausefalle.

 

Dann das Signal:

Ein Fischschwarm. Alle in reger Aufruhr.

Hatten doch die meisten damit gerechnet, sie würden leeren Schiffes wieder einlaufen.

Die Meere sind überfischt. Das macht sich bemerkbar.

Aus den Männern wurden Maschinen. Jeder Handgriff saß.

Und ich bekam zu sehen, was sonst nur Premium-Touristen oder Umweltaktivisten zu Gute kommt:

Ein ganzer Delfin und Robbenpulk, der sich um den Fischschwarm drängte.

Ein Gewusel und Kampf wie im Feierabendverkehr.

Aufgeschäumtes Wasser. Laute Stimmen. Das größte Raubtier war im Anmarsch. Wir.

Dann das Netz - eine Robbe hing darin.

Es galt keine Zeit zu verlieren.

Ein Matrose schlug ihr mit dem Spaten auf den Kopf, schnitt sie frei und warf sie unter fluchen des Kapitäns über Board.

Dieser zeigte auf mich und beschmipfte seinen Mann im Dialekt.

Wahrscheinlich war die Angelegenheit nicht für meine Augen bestimmt gewesen - schon gar nicht für meine Kamera.

 

Danach: Silbernes Gold.

Die Fische rutschten tausendfach unter Deck.

So wie jede Nacht. Auf vielen Booten weltweit.

 

Im Morgengrauen liefen wir wieder ein. Die Männer der Fischfabrik warteten bereits.

Die Robben im Hafen standen Schlange vor dem Abflussrohr der Fabrik. Die Möven kreisten.

Und ich war froh, wieder Erde unter den Füßen zu fühlen.

 

Kommentare: 1
  • #1

    Wolfgang (Freitag, 31 Mai 2019 10:32)

    Toller Bericht, schöne Fotos gut zu lesen .