Katharina im Buchenwald

Manchmal frage ich mich, warum ich fotografiere.

Gerade Yoga-Fotos scheinen mir ein in sich geschlossenes Paradoxon zu sein:


"Sei ganz im Hier und Jetzt. Halte nichts auf. Alles fließt."

 

Die Gegenwart anzuhalten, einen Teil der Vergangenheit nicht ziehen zu lassen sondern auf ein Foto zu bannen,

ist auf den ersten Blick entgegen jeglicher Achtsamkeitslehre.

Und doch ist es meine Tätigkeit als Fotografin, die mich durch meine Begegnungen "in den Moment" bringt.

 

Katharina von Reden lernte ich letztes Jahr im Kubatzki während eines Fotoshootings kennen.

Sie war dort zu Gast und wir kamen kurz ins Gespräch.

Nach 6 Monaten, in denen wir unendlich lange Emails, Telefonate und Sms (über alle möglichen Themen) austauschten,

hatte ich das Gefühl, bereits einen Teil von Katharina zu kennen - allerdings hatte ich völlig vergessen, wie sie aussah.
Darauf hatte ich im Kubatzki nicht geachtet.  Etwas belustigt über diese Erkenntnis fuhr ich im Regen mit meinem Motorrad zu ihr nach Hause. Kaum war ich bei Katharina angekommen, ging sprichwörtlich die Sonne auf. Es war, als ob ich mit einer alten Freundin zum Kuchen Essen und einem Waldspaziegang verabredet gewesen wäre. Die Sonne vertrieb die Wolken und ließ die jungen Buchenblätter im Gegenlicht erstrahlen.

 

Das Fotoshooting fühlte sich für mich wie eine Meditation an.

Ich liebe es, die Zeit und die Menschen durch meine Linse zu betrachten.

Sie ist wie eine Lupe, mit der ich "ranzoomen" kann. Ich komme ins "Hier und Jetzt", setze einen Fokus und dann beginnt alles zu fließen.

 

Ich habe nicht das Gefühl, etwas festzuhalten.

 

Wie ein Biber das Landschaftsbild verändert, baue ich Zeitstaudämme, hinter denen sich Fotografie-Stauseen bilden können. Ich nehme Einfluß auf die Se(h)en-Landschaft der Erinnerungen, bevor auch diese hinfortfließen. Jedes Bild und jede Erinnerung wird sich der Zeit beugen - ob in 2 oder 20.000 Jahren, ob durch Vergessen oder Verschwinden spielt dabei keine Rolle. Jeden noch so ephemeren Moment mit meiner Kamera zelebrieren, ihm beim Vorrüberhuschen zusehen und zum Verweilen einladen zu dürfen, ist ein Geschenk.

 

Namasté.

 


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